Aussenseiter werden gemacht

Warum Kinder und Jugendliche an den Rand geraten – und weshalb Anderssein oft zum sozialen Problem erklärt wird

Der Blogbeitrag von Margrit Stamm zeigt, dass Aussenseiter in der Schule nicht „einfach so entstehen“, sondern sozial gemacht werden. Entscheidend ist weniger die Persönlichkeit der Kinder als vielmehr das Zusammenspiel von schulischen Strukturen, sozialen Dynamiken in der Klasse und Erwartungen der Erwachsenen.

Das Bildungssystem trägt dazu bei, indem es Unterschiede sichtbar macht – etwa durch frühe Selektion, Leistungsdruck und ständige Bewertung, wodurch Kinder schneller als „anders“ oder „nicht passend“ wahrgenommen werden. Dadurch werden sie leicht zu „Defizitfällen“, obwohl ihr Verhalten oft aus der Situation heraus entsteht und kein persönliches Versagen ist.

Aussenseitertum ist somit ein soziales Verhältnis innerhalb der Gruppe, nicht eine feste Eigenschaft einzelner Kinder. Es betrifft viele Schülerinnen und Schüler und gehört zum schulischen Alltag, auch wenn es oft wenig Beachtung findet.

Stamm betont, dass Integration allein nicht ausreicht, wenn die Rahmenbedingungen der Ausgrenzung nicht hinterfragt werden. Statt zu fragen, warum ein Kind nicht passt, sollte die Schule überlegen, warum Zugehörigkeit nicht gelingt.

Gleichzeitig weist sie darauf hin, dass Anderssein nicht immer negativ ist: In manchen Fällen kann es auch Unabhängigkeit, Kreativität und Eigenständigkeit fördern.

Insgesamt plädiert der Beitrag für eine Schule, die Unterschiede nicht nur toleriert, sondern aktiv Bedingungen schafft, in denen alle Kinder Zugehörigkeit erleben können


Im zweiten Teil betont Margrit Stamm, dass Anderssein nicht automatisch ein Problem ist, sondern auch eine Stärke sein kann. Kinder, die sich von der Gruppe distanzieren, tun dies nicht immer aus Einsamkeit, sondern oft bewusst, um ihren eigenen Interessen und Überzeugungen nachzugehen.

Solche „eigenständigen Aussenseiter“ orientieren sich weniger an Gruppennormen und entwickeln dadurch Unabhängigkeit und Selbstreflexion. Was von aussen als Rückzug erscheint, kann somit auch eine aktive Form der Selbstverortung sein.

Der Text unterscheidet daher zwei Entwicklungen: Einerseits kann Anderssein zu Ausgrenzung und Einsamkeit führen, andererseits aber auch zu persönlichem Wachstum und Kreativität.

Ein zentrales Missverständnis besteht darin, dass Erwachsene Alleinsein schnell als Defizit interpretieren. Dabei gilt: Nicht jedes allein spielende Kind fühlt sich ausgeschlossen.

Viele dieser Kinder verfügen über soziale Kompetenzen, die sich einfach anders zeigen, etwa durch Beobachtung, vertieftes Denken oder kreative Tätigkeiten.

Unter günstigen Bedingungen kann diese Distanz zur Gruppe sogar zu einer Ressource werden, aus der innovative Ideen und neue Perspektiven entstehen.

Insgesamt plädiert Stamm dafür, genau hinzuschauen und zwischen problematischer Ausgrenzung und produktiver Eigenständigkeit zu unterscheiden.

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