Placemat – eine Taktik kooperativen Lernens

 

Im angloamerikanischen Sprachraum wird zwischen Strategien und Taktiken Kooperativen Lernens unterschieden. Unterrichtsstrategien können verschiedene Taktiken umfassen.

Die Taktik «Placemat» ist ein einleuchtendes Beispiel dafür, Interaktion beim Lernen zu unterstützen. Durch die vorgegebene Einteilung eines möglichst grossen Papierbogens und Phasen der Bearbeitung wird die Interaktion strukturiert. Die Taktik ist einfach und schnell einsetzbar. Das Placemat eignet sich besonders gut für die Sammlung von Ideen und das Zusammentragen von Vorschlägen, Leitgedanken oder Argumentationen. Ertragreich ist es auch innerhalb des ersten Schrittes einer Lerneinheit um Vorwissen zu einem bestimmten Thema festzuhalten. Die Taktik Placemat kann in verschiedenen Fächern zum Einsatz kommen. ln der Mathematik steht z.B. in der Mitte eine 4. Die Aufgabe für die Lernenden ist es dann, so viele Rechnungen wie möglich zu finden, die als Resultat 4 ergeben.

Placemat

 

 

 

 

 

 

 

Phasen der Taktik «Placemat»

A    Einzelarbeit: Schreiben, Zeichnen, Sammeln

In einer vereinbarten Zeit durchdenken die Lernenden zuerst einmal die Aufgabenstellung und schreiben ihre Ideen und Vorschläge ins dafür vorgesehene Aussenfeld. In dieser Phase wird nicht interagiert und kommuniziert. Ein Placemat hat so viele Aussenfelder wie Gruppenmitglieder und muss jeweils entsprechend eingeteilt werden. Beispiel: Nennt fünf gute Argumente, welche für eine Reise nach Brasilien sprechen!

B    Einzelarbeit: Lesen und Verstehen

Im nächsten Schritt wird das Placemat gedreht, sodass alle die Vorschläge von anderen Gruppenmitgliedern nachlesen können. Klärungsfragen sind erwünscht.

C    Interaktion: Diskutieren, Aushandeln, Entscheiden

Nach der Klärung von sachlichen Fragen werden die einzelnen Ergebnisse diskutiert. Es wird z.B. ausgehandelt, welches die wichtigsten Argumente für eine Brasilienreise sind. Diese werden in der gemeinsamen Mitte festgehalten. Rollenerweiterung: Ein Schüler, eine Schülerin übernimmt die Kundschafter-Rolle, bewegt sich ungehindert und lautlos durchs Zimmer und erkundet, ob eine andere Gruppe über neue Argumente für die eigene Gruppe verfügt. Lernende lieben diese Rolle, die klarmacht, dass Wissen nicht geheim ist, sondern besser allen zur Verfügung gestellt wird.

D    Alle: Präsentation

Während der Präsentation der Ergebnisse können diese dann z.B. an der Tafel gesammelt werden. Variante: Die einzelnen Placemats wandern von Gruppe zu Gruppe und werden gegengelesen. Mit einem Haken versehen, zeigt die Gruppe ihr Einverständnis. Ein Minuszeichen bedeutet Ablehnung. Mit einem Fragezeichen werden Unklarheiten gekennzeichnet.

Quelle: Berner, H. und Zumsteg, B. (Hrsg.). (2011). Didaktisch handeln und denken 2. Fokus eigenständiges Lernen. Zürich: Pestalozzianum, S. 229-230