PADUA

Vollständige Lernprozesse PADUA

 

Soll ich oder soll ich nicht? Es wäre schon praktisch, wenn ich das könnte, man weiss ja nie, ob es nicht mal nötig wäre. Nach einigem Überlegen entschliesse ich mich, autofahren zu lernen. In der Theorie werde ich mit Bremsweg-Berechnungen, Vortrittsregeln, mit Signalen und Markierungen und viel anderem mehr konfrontiert. In den Fahrstunden lerne ich beschleunigen und bremsen, schalten und steuern, nach links und rechts und vorne und hinten schauen usw. Erinnern Sie sich noch daran, wie Sie fahrradfahren oder autofahren lernten? Heute geht das völlig automatisch… Aber es war dennoch ein recht langer Lernweg, vom Anfänger bis zum Routinier, vom ersten Rückwarts-Parkieren bis zur Selbstverständlichkeit, mit der wir uns heute im Strassenverkehr verhalten.

Ich möchte aquarellieren lernen. In einem Kurs werde ich nach und nach vom Meister in die Welt dieser Kunst eingeführt. Ich mache Aquarell um Aquarell, lerne verschiedene Techniken und Möglichkeiten kennen. Nach einigen Jahren und mehreren hundert Aquarellen sagt man dann viel­leicht: Ich kann es.

Die Verwaltung der Schülerdateien wird immer anspruchsvoller. Ich habe von Kollegen gehört, dass es dafür Computerprogramme gebe. Welches ist das geeignete? Ich wähle eines aus und versuche, mir die nötigen Kenntnisse anzueignen. Aber so einfach, wie ich anfangs meinte, ist's dann doch wieder nicht. Nach einigem Ausprobieren, Nachlesen und  mir-erklären-lassen weiss ich besser Bescheid. Ich erstelle Dateien, bearbeite und verändere sie. Mit der Zeit ergibt sich eine gewisse Routine, und es klappt problemlos.

Das sind drei Beispiele von Lernprozessen. Die Lerntheoretiker haben immer wieder versucht, dieses Aneignungs-Geschehen in unterscheidbare und definierbare Phasen, Stufen, Sequenzen oder Schritte einzuteilen. Im Wort «Lernprozess» kommt das auch zum Ausdruck; Prozess, vom Lateinischen «processus» heisst Verlauf, «procedere» bedeutet vorwärtsschreiten. Korrekterweise muss man von Formalschritten oder von funktionellen Pha­sen sprechen, denn allgemeindidaktisch interessiert die Form und die Funktion des betreffenden Lernschrittes, weniger der fachliche Inhalt. Der Lern­prozess wird als Modell dargestellt, wobei selbstverständlich gilt, dass ein Modell nie die Wirklichkeit selbst ist, sondern immer nur der Versuch, die komplexe Wirklichkeit zu erfassen sowie verständlich und damit kommunizierbar zu machen. In der Praxis einer einzelnen Unterrichtsstunde findet man meist nur einzelne Schritte oder sogar Teile von Schritten des gesamten Lernprozesses.

Beispiel aus Deutschunterricht
Beispiel aus Mathematikunterricht
Beispiel aus Bewegung und Sport